Im August 2024 wollten wir endlich mal wieder eine Hochtour machen – die Wahl fiel letztendlich auf die Wildspitze in den Ötztaler Alpen. Es ging also an einem Samstagmorgen mit dem Auto nach Vent, von dort aus auf die Breslauer Hütte und am Sonntag haben wir über den Jubiläumsgrat den Gipfel erreicht. In diesem Beitrag wollen wir euch mit den wichtigsten Fakten zur Tour versorgen und unsere Erfahrungen mit euch teilen. Außerdem findet ihr hier auch eine Verlinkung zu unserem YouTube-Kanal, auf dem wir ein kleines Video zur Tour hochgeladen haben.
Eckdaten zur Tour
| Ausgangspunkt | Parkplatz Vent am Sessellift (6€ / Tag) https://maps.app.goo.gl/63AG76dPcUT26iK47 |
| Länge & Höhenmeter | Bis zur Breslauer Hütte: 5,2 km, 900hm (2h) Hütte bis Gipfel: 6,8km, 930hm (4,5h) Abstieg: 12km, 1830hm (5h) |
| Stützpunkt | Breslauer Hütte (61€ für DAV-Mitglieder inkl. HP) https://www.breslauerhuette.at/index.php/de/ |
| Ausrüstung | Komplette Gletscherausrüstung inkl. Eispickel, Steigeisen und Helm |
| Saison | Ende August bis Anfang Oktober |
Bis zur Breslauer Hütte
Vom Parkplatz aus geht es gleich recht steil über schmale Pfade zur Bergstation des Wildspitzlifts. Dabei hat man einen tollen Blick auf die Ortschaft Vent, die unter einem immer kleiner wird. Ab der Liftstation geht es zunächst auf breiteren Schotterwegen weiter Richtung Breslauer Hütte. An einer Kehre bekommt man dann schließlich einen grandiosen Ausblick bis nach Italien. Die Gegend ist noch nicht so weit erschlossen, dass man an jeder Ecke Wanderer und Hütten findet, sodass die Landschaft hier noch richtig wild aussieht. Bevor der Schlussanstieg beginnt, quert man auf einer eisernen Brücke einen wilden Gebirgsbach, danach geht es steil bis zur Breslauer Hütte bergan.
Insgesamt haben wir für den Hütten Ansteig mit etwa 900 Höhenmetern ungefähr 2 Stunden gebraucht, inklusive Trink-, Film- und Fotopausen.
Die Breslauer Hütte bietet ein tolles Bergpanorama und wir haben den Sonnenuntergang auf der Terasse draußen genossen, bevor es Abendessen gab und wir es uns schließlich im Matratzenlager bequem gemacht haben.













Gipfelanstieg
Am Gipfeltag ging es nach einem ordentlichen Hüttenfrühstück gegen 5:30 Uhr los. Am Abend zuvor haben wir uns noch mit einem Bergführer unterhalten, der uns gesagt hat, dass der Normalweg wohl ziemlich unter Steinschlag leide, sodass wir uns kurzerhand umentschlossen haben auf den Jubiläumsgrat auszuweichen. Die Übernachtungssachen, die wir nicht beim Aufstieg brauchten, haben wir in der Hütte im Schuhraum gelassen, um sie auf dem Abstieg wieder abzuholen. Also ging es mit leichtem Gepäck mit dem Sonnenaufgang auf die ersten Höhenmeter.
Vor dem ersten Gletscherkontakt geht es ziemlich lang durch ein Geröllfeld hinauf, das wunderbar in der Morgensonne gelegen ist. Die Wegfindung gestaltet sich hier recht interessant, aber letztendlich haben wir immer den richtigen Weg genommen und sind am Rand des Gletschers angekommen. Dort haben wir die Gletscherausrüstung angelegt und sind zunächst recht flach über den Gletscher gewandert. Dieser war im August wirklich komplett aper. Dann beginnt ein relativ anstrengender steiler Teil, bei dem man in dem sulzigen Sommerschnee ordentlich ins Schwitzen kommt. Als wir den oberen Teil des Gletschers einsehen konnte, haben wir uns aufgrund von deutlichem Steinschlag, der kontinuierlich die Eisflanke hinunterfiel, dafür entschieden, auf den schuttartigen steinigen Aufstieg rechtshaltend auszuweichen, wie es auch die Seilschaften vor uns getan haben. Wenn man sich auf diese Schuttflanke gekämpft hat, wird man mit einem einmaligen Blick auf den riesigen Taschachferner belohnt – da kann man es sich nicht verkneifen eine kleine Trinkpause einzulegen und den Ausblick zu genießen. Anschließend geht man über eine relativ steile Eisflanke weiter bergan und schließlich auf den Grat. Dieser war bei uns nur wenig mit Schnee bedeckt, die Kraxelei führt über teils erdiges, teils felsiges Gelände mit vielen losen Steinen. Schließlich kommt das Gifelkreuz in Sicht und unser Timing war mal wieder bescheiden – die Wolken hatten sich genau dann zugezogen, als wir am Gipfel waren. Aber dafür konnten wir ja bereits beim Aufstieg wirklich phänomenale Ausblicke genießen, die schon Belohnung genug waren.
Für den Anstieg von der Breslauer Hütte bis zum Gipfel brauchten wir etwa 4,5 Stunden. Mit kleinen Pausen und dem Anziehen der Gletscherausrüstung und der Zeit, die wir uns zum Fotografieren und Filmen genommen haben, kann man da auch nochmal eine halbe Stunde dazurechnen.












Abstieg
Der Abstieg folgt der selben Route wie dem Aufstieg, wobei das Absteigen durch das Schuttfeld nicht so angenehm war. Auch die steilen sulzigen Hänge sind schon eine kleine herausfordernde Schlitterpartie. Ab und zu muss man über einen kleinen Gletscherwasserlauf queren. Wieder an der Breslauer Hütte angekommen um unsere Übernachtungssachen wieder abzuholen, hatten wir noch genügend Zeit für einen kleinen Snack, ein Getränk und eine kleine Pause. Dann ging es weiter dem Aufstiegsweg folgend immer Richtung Vent, das man im Tal schon erahnen kann. Das Wetter hat uns hier weiter angetrieben, denn es sollte gegen späten Nachmittag bzw. am Abend noch Regen geben. Und tatsächlich haben wir es geschafft mit nur 5-10 regnerischen Minuten wieder unten am Parkplatz anzukommen und uns ins trockene Auto zu retten.
Vom Gipfel bis ins Tal ohne Pausen brauchten wir um die 5 Stunden. Wir haben dann noch großzügig Pausen gemacht, für die wir aber genug Zeit hatten. Alles in allem sind wir am Gipfeltag knapp 10 Stunden unterwegs gewesen, schon eine recht lange Tour, aber gut machbar, auch in gemäßigtem Tempo.
Unser Fazit
Die Tour auf die Wildspitze ist landschaftlich wirklich wunderschön. Die Ausblicke haben uns umgehauen, vor allem der Blick auf den riesigen Taschachferner. Die Bergwelt hier wirkt noch nicht touristisch überlaufen und mutet ab der Bergstation des Sessellifts noch sehr wild an, was uns sehr gefallen hat. Den Tipp, Alles was man für den Aufstieg nicht braucht im Materialraum der Hütte zu lassen, können wir nur jedem empfehlen. Mit leichtem Gepäck ist der Aufstieg gleich viel leichter. Natürlich sollte man sich mit der Gletscherausrüstung und bergungstechnik auskennen, wenn man auf eine Hochtour startet! Im August war der Gletscher bei uns wirklich aper und es gab keinerlei Schneeauflagen. Man sollte jedoch wirklich auf den Steinschlag achten und dementsprechend flexibel reagieren bei seiner Routenwahl. Wir haben wirklich viele sehr große Steine abgehen sehen und uns dementsprechend in den nahegelegenen Abschnitten beeilt, über die Gefahrenstellen hinweg zu gelangen.
Alles in allem ist die Tour auf die WIldspitze eine landschaftlich unschlagbar schöne, technisch nicht allzu herausfordernde und absolut lohnenswerte Hochtour, die wir nur jedem empfehlen können, der das nötige Wissen und Können für Hochtouren hat.
YouTube-Link
Wir haben unser Abenteuer auf der Wildspitze gefilmt und für alle Interessierten auf YouTube hochgeladen und freuen uns sehr, unser erstes Video mit euch teilen zu können. Wir sind noch in der Lernphase und freuen uns über eure Rückmeldung zu diesem Beitrag und unserem Video. Wenn ihr Fragen zur Tour oder Anregungen habt, könnt ihr uns jederzeit einen Kommentar dalassen oder uns über unsere E-Mail Adresse kontaktieren.


